Aus verschiedenen Gründen stellen Firmen Personal nur für einen gewissen Zeitraum ein: von der zeitlich befristeten Projektarbeit bis zum Ersatz im Krankheitsfall. Die richtige Wahl des Dienstleisters ist entscheidend.
Das moderne Personalmanagement ist sehr facettenreich und muss viel leisten“, sagt Christine Neumann, IHK-Mitarbeiterin im Geschäftsbereich Standortpolitik und Unternehmensförderung. „Zeitarbeit kann ein wichtiger Bestandteil von bedarfsgerechter Personalplanung sein und benötigte Flexibilität bringen – wenn sie richtig eingesetzt wird.“ Dabei sind verschiedene Aspekte zu beachten: Nachdem Bedarf und Anforderungen identifiziert worden sind, geht es an die Auswahl eines geeigneten Personaldienstleisters. Ist ein vermittelter Einsatz abgeschlossen, sollten die Erfahrungen ausgewertet werden.
In der Öffentlichkeit besteht vielfach wenig Kenntnis über Strukturmerkmale, Arbeitsweisen und Umfeldbedingungen des vor allem mittelständisch geprägten Zeitarbeitsmarktes, bemängelt der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) e.V. „Es gibt sehr viele weiße Schafe in der Branche“, verdeutlichte Hauptgeschäftsführer Werner Stolz bei der Fachmesse Zukunft Personal in Köln. „Sie müssen sich öffentlich nur stärker melden.“ Die absolute Mehrzahl der Zeitarbeitskräfte geht laut iGZ einer Vollzeitbeschäftigung nach: Im Durchschnitt sind es neun von zehn. Mehr als jede dritte Zeitarbeitskraft wechsele nach einem Einsatz zum Kunden.
Ganz oben auf der Wunschliste der Arbeitgeber stehen Spezialisten aus den technischen Berufsgruppen, dem Ingenieurs- und dem ITBereich. Diese Positionen sind in Deutschland besonders schwer zu besetzen, ergibt der Talent Shortage Survey 2011 des Personaldienstleisters Manpower. Aber auch Mitarbeiter für Büro- und Assistenzaufgaben würden gesucht. Vera Calasan, Geschäftsführerin der ManpowerGroup Deutschland, plädiert dafür, die Internationalisierung des Arbeitsmarkts zu nutzen. Da seit dem 1. Mai auch in der Bundesrepublik die Freizügigkeit für Arbeitskräfte aus acht osteuropäischen Ländern gelte, eröffne das Personalentscheidern in Zeiten des Fachkräftemangels die Möglichkeit, Menschen aus diesen Staaten einzustellen.
40 Prozent der befragten mittelständischen Betriebe haben bereits das Instrument Zeitarbeit eingesetzt, ergab eine bundesweite Befragung des Verbundprojekts „Flexible Produktionskapazitäten innovativ managen“ (FlexPro) von über 1200 Unternehmen. Im Gegensatz zu kleineren Unternehmen, in denen Kurzzeiteinsätze überwiegen, setzen größere Unternehmen Zeitarbeitnehmer eher langfristig und ganzjährig ein. Die Argumente für Zeitarbeit sind nach Angaben der FlexPro-Erhebung unabhängig von der Betriebsgröße: Vor allem helfen Leiharbeiter Auftragsspitzen abzufangen und kranke Mitarbeiter zu ersetzen. Außerdem spielen die Möglichkeit, Arbeitsverhältnisse schnell und unbürokratisch zu beenden sowie eine einfachere beziehungsweise schnellere Personalbeschaffung eine wesentliche Rolle. „Nur wenige Unternehmen befürchten, dass sich die Beschäftigung von Zeitarbeitnehmern negativ auf die Stammbelegschaft auswirkt“, sagt Cynthia Sende, die die Befragung organisiert hat.
„Zeitarbeit ermöglicht gerade gering qualifizierten Arbeitslosen Beschäftigungsmöglichkeiten“, erläutert Ulrich Spengler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK. „Die Alternative ist häufig Arbeitslosigkeit.“ Bei solchen flexiblen Beschäftigungsformen handele es sich oft um eine Ausweichreaktion von Unternehmen, da das sogenannte Normalarbeitsverhältnis für sie zu starr sei. „Leiharbeit ist zwar keine breite Brücke, aber zumindest ein schmaler Steg in Beschäftigung“, ergänzt der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller. Forschungsergebnisse des IAB zeigen: 25 Prozent der Leiharbeiter waren im Zweijahreszeitraum zuvor mindestens die Hälfte der Zeit arbeitslos. Im Zweijahreszeitraum nach der Leiharbeit lag der entsprechende Anteil dagegen nur noch bei 17 Prozent.
Wirtschaft Nordhessen 12.2011
von Andreas Nordlohne
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